Einsamkeit mit Stromanschluss in Ullapool

Ullapool

Nach der wilden Abgeschiedenheit unserer Tour entlang der Westküste erscheint Ullapool geschäftig wie eine Großstadt. Das Hafenfest hat alle an den Pier gelockt, die Kinder angeln Krebse und testen, wer sich traut sie anzufassen. Ein Dudelsackspieler bläst in die Pfeifen, die Fähre nach Lewis oder Skye tönt ihr Signal, Motorradfahrer fahren in der Kolonne am Pier entlang, Einheimische schlendern im Familienverbund, Touristen besetzen die Plätze vor den Cafes, alle sind draussen, das Wetter ist fabelhaft. Wir staunen und geniessen die Lebendigkeit, essen Schottisch Pie, kleine Kuchen mit Lammhackfüllung,  und lassen uns mit der Menge treiben. Obwohl der Campingplatz direkt in Hafennähe liegt, ist es erstaunlich still dort als die Abendsonne über Loch Broom untergeht. Am nächsten Tag geht es mit dem hochmotorisierten Schlauchboot hinaus zu den kleinen, zum Teil unbewohnten Summer Islands.Josh unser Bootsmann, höchstens Mitte 20, könnte auch gut ein australischer Surferboy sein, gebräuntes Gesicht, langes wildes Haar, groß gewachsen. Er steuert zu den Seehundbänken, wo wir fast hautnah die faul in der Sonne liegenden Tiere beobachten, zeigt uns den Nistplatz eines der wenigen brütenden Seeadlerpärchen hoch oben auf den Klippen und erzählt spannende Geschichten über die Menschen, die zum Teil noch auf den kleineren Inseln leben.

Seascape expeditions

 

Seals am Loch Broom

Wie die der Besucherin, die vor 8 Jahren kam und über die niemand etwas genaueres weiß. In Ullapool wurde sie in der Zeit nur einmal gesehen. Von der Ferne sehen wir ihr Haus, mehr eine Hütte und ich frage mich, welche Geschichte diese Einsiedlerin wohl hat. Ich spüre eine unbestimmte Sehnsucht es ihr nach zu tun, was mag sie bewogen haben, der Welt und den Menschen den Rücken zu kehren? Hat sie Wlan? Ist sie eine Schriftstellerin? Wovon lebt sie, ist sie Selbstversorgerin, hat sie ein Auto, oder geht sie die 15 Meilen zum nächsten Ort Scourie zu Fuß um sich dort mit Lebensmitteln zu versorgen? Und die Winter, regnerisch, rau, kalt, wie meistert sie das? Hat sie einen Hund? Und wenn sie stürbe, wer würde davon erfahren? Stoff für eine spannende Geschichte. Die ich gerne in großer Abgeschiedenheit mit funktionierender Internetverbindung schreiben würde.

Inseln am Loch Broom

Denn das schreiben unterwegs mit dem hiesigen Highland Wifi ist eine echte Geduldsprobe. Manchmal habe ich nachts gegen 2 oder 3 Uhr ein Netz, aber auch das ist nicht sicher. Es erschwert die Reiseplanung immer wieder, ermöglicht aber dem Universum, uns wunderschöne Plätze abseits entdecken zu lassen. Wie zum Beispiel das Aultbea Hotel am Loch Ewe, das wir auf einer Spritztour ohne Wohnwagen entdecken und das uns einlädt, vom Speisesaal aus den Blick und einen guten Weißwein zu geniessen. Später dann könnten wir vor dem prasselnden Kaminfeuer im Salon sitzen und ein großen Scotch trinken – aber ich bin ja mit Kind unterwegs und das verdreht dabei nur gelangweilt die Augen. Überhaupt stimmen unsere Gewohnheiten nicht überein: das Kind will morgens erst einmal lesen, dann frühstücken, wieder lesen, mittags essen gehen und am liebsten wieder zurück in den Wohnwagen um zu lesen. Es kostet mich Mühe meinen Sohn reisefertig zu machen. Immerhin kann ich sagen, das er chillen nicht lernen muss. Ebenso wie die Seehunde.

 

 

 

 

 

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