Hogwarts Express Adventure Tours

Die sintflutartigen Regenfälle und Orkanböen, die seit 2 Tagen des Westen Schottland erschüttern, haben große Teile der Strassen im Mount Nevis Gebiet und Teile des Schienensystems am Glenfinnan Viadukt fortgespült. Der weltberühmte Hogwarts Express sitzt in Mallaig fest und wird voraussichtlich erst in mehreren Tagen wieder fahren können. Die Reisenden wurden mit Bussen zurück nach Fort William transportiert, nachdem das THW mit schwerem Gerät die Strasse oberhalb des Ortes Glenfinnan geräumt und notdürftig befestigt hat. Bis kurz vorher war nicht klar, ob die Busse auf dem Weg bergabwärts die Stelle passieren könnten, die wenige Stunden zuvor erst gesichert wurde.

So würde vielleicht der Text in der örtlichen Zeitung stehen. Für uns stellte sich die Hogwarts Abenteuer Tour noch einmal ganz anders dar: Bereits um 9 Uhr waren wir nach einer guten Stunde Fahrtzeit in Fort William angekommen, um ja eines der begehrten Tickets für den weltberühmten Jacobite Stream Engine Zug zu ergattern. Leider vergeblich, alle Tickets für die 6 Stunden dauernde Morgentour waren bereits ausverkauft. Doch jetzt unverrichteter Dinge wieder umkehren? Also buchen wir für die Abendtour die regulär um 16:30 Uhr startet. Der Zug soll um 20:30 Uhr wieder zurück am Bahnhof in Fort William sein. Die Fahrt hoch nach Mallaig, einem, wie sich herausstellen sollte, ganz bezauberndem Fischerort, gestaltet sich unspektakulär bis langweilig. Wir haben wieder mal des Kaiser neue Kleider gesehen, sprich viel Touristenrummel erlebt und das 100fache für ein Bahnticket bezahlt, um mit einer Dampflokomotive über eine Brücke gezogen zu werden. Zudem regnet es, wie ununterbrochen seit Tagen schon, der Nebel hängt tief und von der berühmten Brücke bekommen wir gar nichts mit! Im Ort angekommen strömen alle aus dem Zug sofort in die umliegenden Lokale, es gelingt uns am oberen Dorfrand ein gemütliches Pub mit Kaminfeuer und Erlaubnis für Kinder und Hunde zu finden und lassen uns dort für die kurze Dauer unseres Aufenthalts nieder. Um die Abfahrt des Zuges nicht zu verpassen kehren wir zeitig wieder zurück zum hochspurig Main Station genannten eingleisigen Bahnhof Mallaigs. Immerhin beobachten wir am Hafen noch Möwen, die sich mit Seerobben um die Fischabfälle der eben eingelaufenen Kutter streiten. Mit uns am Platz in unserem Waggon ein distinguiertes,älteres Paar mit kleinem Hündchen. Die Abfahrt verzögert sich, na ja, nicht so cschlimm, Paul arbeitet an einer Neuerfindung der Dampfmaschine und fertigt eifrig Konstruktionszeichnungen an. Nach einer Stunde Wartezeit kommt der Schaffner, um uns mit zu teilen, es sei „a bit slippery“ und es sei nicht sicher ob der Zug fahren könne. Man arbeite daran. Nach einer weiteren Stunde heißt es, der Zug käme nicht durch, das THW versuche die weggespülten Gleise zu reparieren. Man wisse noch nichts genaues, wir würden informiert. Heißt das etwa wir müssen die Nacht im Zug verbringen? Im Moment sieht es ganz danach aus. Im Zug: kaum gesteigerte Aufmerksamkeit. Ich stelle mir vor so etwas würde in Italien passieren! Im Nu wäre ein riesiges Palaver losgebrochen. Nicht so hier. Man unterhält sich, spielt Karten, schaut hinaus durch die regengepeitschten Abteilfenster., oder holt aus dem nahen Supermarkt ein paar Dosen Bier. Die Kinder spielen fangen auf den Abteilgängen, ich mache etwas small talk mit unseren Platznachbarn. Nach weiteren 2 Stunden, es ist bereits 23 Uhr und wir warten seit 4 Stunden, kommt die Info, es haben sich Busse auf den Weg gemacht um uns hier heraus zu holen.Die ersten Fotos der weggespülten Stelle kursieren, ich bezweifle, ob da ein Bus vorbeifahren kann?Und wenn die Strasse so unterspült ist, das alles weg bricht? Ich würde lieber hier übernachten, als mitten durchs das Gebirge des Mount Nevis in das regengepeitschte Dunkel zu fahren. Um Mitternacht kommen 7 Busse. Schnell sind alle Plätze belegt, der Fahrer dimmt das Licht, es geht los. Die Scheibenwischer laufen auf höchster Stufe, der Fahrer, Typ Wolfgang Schäuble, informiert über die Strecke, die vor uns liegt und das er hofft, die Strasse ist noch frei und wir gut durch kommen. Serpentine um Serpentine schrauben wir uns nach unten. Nach einer halbe Stunde stehen wir an der Unglücksstelle, Baumaschinen, Bagger, Männer in gelben Warnwesten, blinkende Absperrungen, Schlamm und Felsbrocken auf der Strasse. Der Busfahrer bespricht sich mit einem der Männer in Orange, der ein Funkgerät in der Hand hält. Wir fahren an der Sperrung vorbei. Mir wird sehr, sehr mulmig, in meinem Arm ist Paul eingeschlafen. Der Fahrer fährt äußerst vorsichtig und langsam, ich fasse Vertrauen und wirklich erreichen wir ohne Zwischenfälle nach 90 Minuten Fort William. Good Job! Jetzt habe ich noch mal die gleiche Zeit Fahrt vor mir zu unserem Campingplatz, in der Nacht, bei Starkregen, nach inzwischen fast 20 Stunden auf den Beinen. Um 3 Uhr morgens ist es endlich geschafft, sogar der Wohnwagen steht noch, wir fallen erschöpft sofort ins Bett.

Erkenntnis des Tages: Reisen ist anstrengend.

  1 comment for “Hogwarts Express Adventure Tours

  1. 13. August 2016 at 23:08

    danke für diese packende beschreibung. spannend zu lesen, aber ich wünsch euch, dass ab jetzt der regen aufhört.

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